Kasseler Traxx-Produktion könnte in „ganz Europa“ umgesiedelt werden

Tim Dawidowsky, President Central & Northern Europe Region bei Alstom, auf der InnoTrans im Gespräch mit Eurailpress-Chefredakteur Georg Kern. Quelle: Markus Wellmer/Eurailpress

In den Gesprächen mit dem Waffenhersteller Rheinmetall über einen möglichen Verkauf des Alstom-Werkes in Kassel ist noch kein Ergebnis absehbar. Das sagte Alstom-Deutschlandchef Tim Dawidowsky in einem Interview mit Eurailpress auf der InnoTrans.

Die Gespräch seien "vertrauensvoll" und "gut", so Dawidowsky weiter. "Ich bin guter Dinge, dass wir zu einem Abschluss kommen können." Dies könne möglicherweise auch schon "in den nächsten Wochen" der Fall sein. Das Ergebnis sei bisher allerdings "nicht absehbar".

Auf Nachfrage, wie wahrscheinlich der Verkauf sei, führte Dawidowsky weiter aus: "Wenn wir etwas zu kommunizieren haben, dann werden wir kommunizieren." Er werde sich dabei allerdings an den bewährten Grundsatz halten: "Als erstes informieren wir über alle Entwicklungen immer die Arbeitnehmerschaft, dann die Öffentlichkeit."

Voraussetzung für den Verkauf des Werkes sei, dass "für beide Seiten eine Vorteilssituation" entstehe, erläuterte Dawidowsky. "Es muss Sinn machen für Rheinmetall, es muss Sinn machen für uns." Dabei gehe es um wirtschaftliche Überlegungen. "Gleichwohl fühlen wir uns in diesen Verhandlungen auch an die Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebunden. Auch diesbezüglich muss es eine adäquate Regelung geben." Nur das schaffe Akzeptanz für einen solchen möglichen Schritt.

Alstom beschäftigt in Kassel nach eigenen Angaben mehr als 650 Mitarbeiter. Spezialisiert ist das Werk auf den Bau der Traxx-Lokomotiven. Bei der Frage, wo diese Fahrzeuge künftig gebaut werden, verwies Dawidowsky auf die Gesamtstrategie des Konzerns in der Region: Ziel sei es, im DACH-Markt und in Skandinavien "eine Konsolidierung und eine Fokussierung auf Standorte fortzusetzen". Demnach könne es für Alstom von Vorteil sein, wenn man das Kasseler Produktionsvolumen anderen Standorten in der Region "anlaste". Diese Überlegungen gingen "im übrigen aber auch über die Region Zentral- und Nordeuropa hinaus". "Da denken wir als Konzern wirklich global und gucken uns ganz Europa an, um so eine Entscheidung zu treffen", sagte Dawidowsky.

Zur zukünftigen Rolle Deutschlands im globalen Portfolio Alstoms sagte der Manager, dass Deutschland ein wichtiger Markt, aber auch ein wichtiger Standort für Wertschöpfung bleiben werde. "Es ist ja nicht nur der Neubau, der relevant ist, das vergessen wir immer wieder. Wir haben unglaublich viele Überarbeitungen und Retrofits, die wir machen müssen." Dem Standort Deutschland werde deshalb auf alle Fälle Lokomotivgeschäft erhalten bleiben, "selbst wenn es nicht mehr der Neubau wäre".

In dem Interview, nahm Dawidowsky unter anderem auch zu der Frage Stellung, wie er den Erfolg populistischer Parteien bei Wahlen in Deutschland bewertet. "Wir als Firma sind da natürlich erst einmal politisch neutral", erläuterte der Manager. Wohl aber schaue man sich die Rahmenbedingungen an, die von den politisch Verantwortlichen geschaffen werden. Dazu gehörten "rechtssichere und zuverlässige" Bedingungen, "und ob Diskussionen über Enteignungen großer Wohnungskonzerne da helfen, wage ich zu bezweifeln". 

Die Wahlergebnisse gäben aber auch zu bedenken, "weil wir als Konzern in so vielen Ländern vertreten sind" und Alstom auch deshalb für Vielfalt, Gleichberechtigung und Freiheit stehe. Das seien Themen, die für Alstom wichtig sind, "und dafür würden wir auch einstehen", sagte Dawidowsky.

Weltweit hat der Konzern derzeit nach eigenen Angaben rund 88.000 Mitarbeitern und ist in mehr als 60 Ländern vertreten. (gk)

Das Interview führte Eurailpress-Chefredakteur Georg Kern im Rahmen der Interview-Reihe "Talk im Abteil" auf der InnoTrans. Ein Video des gesamten Gesprächs findet sich hier: https://www.eurailpress.de/mediathek.html.

 

 

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